Nun sitze ich nach meiner langen Reise hier am Fenster und denke ein wenig nach. Der Weg war nicht sehr beschwerlich, innerhalb von drei Tagen schafft man es mit dem Pferd nach Beckhum.

Ich musste wegen einer Prüfung hierher zurück in das Haus der Familie, die mich ja so liebt.

Alle die im ähnlichen Alter sind wie ich werden getestet auf Magie. Wer sie in sich trägt kommt auf diese Schule hier. In Beckhum ist es eine Art Ehre, aber auch eine Pflicht, sich dann als Magier ausbilden zu lassen und dem Wohl aller zu dienen. Wie nicht anders erwartet bekommen die Reichen und Adligen schneller Hilfe von Magiern.

Ich hoffe, ich habe keine Magie in mir, denn ich möchte diese Art von Magie nicht. Es würde mir einige Probleme bringen und ich könnte nicht wieder zurück nach Edgestone an meine Schule. Sie ist für mich eher ein Heim als dieses. Die Menschen sind mir vertrauter und offener, sie sind einfach menschlicher.

Morgen weiß ich was ist, mit mir und meinem Leben geschieht. Mehr als hoffen kann ich ja nicht.




Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln auf meiner Nase. An weiter schlafen ist nicht zu denken, dazu liegen meine Nerven zu blank, denn heute kann sich alles ändern. Falls es mich trifft, kann ich mein Leben nicht mehr so weiter leben wie zuvor. Ich kann nicht zurück in das Land, das zu meiner Heimat geworden ist. Ich müsste hier bleiben, dem mir bekannten aber doch fremden Land, andere Menschen und jeden Tag würden sie mich erinnern an die Vergangenheit. Viele Gedanken und Geheimnisse müsste ich mit mir tragen, die niemals einen Menschen erreichen dürfen. Freunde hier zu finden wird sehr schwer sein. Ich komme zwar aus einer beliebten Familie, aber ich gehöre in dieses Leben eigentlich nicht, das habe ich nie getan, tue ich nicht und werde ich wohl auch nie tun.

Das warme Wasser tut gut. Es wärmt und bringt ein wenig Entspannung, dennoch schaffe ich es nicht mich zu beruhigen, nur wegen dem Test, wahrscheinlich habe ich gar keine der Fähigkeiten und mache mir umsonst so große Sorgen. Ich werde schon morgen zurück nach Edgestone können. Je schneller ich diesen Tag hinter mich bringe, desto schneller bin ich zu Hause und kann das alles vergessen. Ich denke ich sollte mal etwas essen.

Da ist ja unser kleine Prüfling, ich hoffe du machst deiner Familie diesmal wenigstens alle Ehre“. Natürlich kommt das von unserer neuen Mutter. Ich hätte es erwarten müssen und am besten gar nichts frühstücken sollen, dabei habe ich eh keine Lust auf etwas zu essen, dafür bin ich eigentlich auch zu aufgeregt. „Nach der Prüfung werden wir mehr wissen ob ich Gaben besitze, Stiefmutter.“ „Deine Geschwister haben schon einiges geleistet. Feste Bindungen oder haben Gaben, vor allem deine älteste Schwester. Die ist Magierin und hat einen einflussreichen Ehemann. Sie hat alles was sie jemals tat wunderbar getan und unserer Familie somit alle Ehre erteilt. Ein Segen wäre es wenn du nur ein kleinen Teil davon erfüllen würdest wie sie es hat, aber bei dir wird das wohl nie so werden, wie immer.“

So schnell wie möglich hier weg! Eigentlich hätte ich das vorhersehen müssen und in meiner Kammer bleiben. Aber bald, bald hab ich das hier hinter mir. Das einzige was ich hier zu schätzen weiß, ist mein Fensterplatz mit wundervollem Ausblick auf die Wiesen und Bäume des Gartens. Man sieht gerade noch die letzten Tropfen, vom gestrigem Gewitter, die von den Blättern fallen, alles duftet so frisch und wirkt freundlich und verträumt. Die Bäume sehen grüner aus, als hätten sie durch das Gewitter neue Lebensenergie erhalten hätten.

Meyah“, oh nein, nicht jetzt „du solltest dich auf den Weg zur Prüfung begeben!“


Mein Bauch schmerzt so und mir ist sehr unwohl, ich möchte nicht geprüft werden, nur noch nach Hause in mein Land, einfach weg von hier!

Meyah, ich freue mich, dass ich dich zu deiner Prüfung begleiten kann und wir uns endlich mal wieder sehen und miteinander sprechen können. Wie geht es dir in Edgestone?“ „Es ist ein hübsches Land, ziemlich naturbelassen und die Menschen sind ziemlich freundlich. Mir gefällt es dort gut, danke der Nachfrage, Vater.“ „Das freut mich sehr. Ich bin wirklich auf deine Prüfung gespannt, meine Tochter.“

Warum zieht sich die Fahrt so lange? Ich will es endlich hinter mich bringen und zurück, meine Sachen packen. Außerdem ist mir hier alles so fremd und ungewohnt. Ich kenne zwar diese Menschen und auch das Land, aber dennoch ist mir hier alles so fremd, nur die Gärten wirken mir vertraut. Mit den Tieren, die hier herumspringen, oder einfach nur im Gras liegen und sich die Sonne auf den Rücken scheinen lassen. Früher lag ich dort auch vor allem wenn ich nicht nach Hause wollte, da ich dort nicht unbedingt freundlich behandelt wurde.

Oh nein, wir haben erst die Hälfte des Weges hinter uns gebracht und schon haben mein Vater und ich uns nichts mehr zu sagen. Es ist für mich unglaublich, dass es immer nach außen aussieht, als seien wir eine sehr glückliche Familie. Es gibt wohl anscheinend nur blauäugige Menschen, die sehen, was man ihnen versucht darzustellen, die an jedes Schauspiel glauben und selbst nicht nachdenken. Aber warum sollte man auch denken, wenn einem etwas gesagt wird und das viel einfacher ist zu glauben als zu denken?

Die Stadt wirkt heute ziemlich lebendig, liegt wohl an den Prüfungen. Jede Familie hat die Hoffnung, dass die Kinder durch bestehen der Prüfung große Ehren einbringen. Wenige bestehen die Prüfungen bzw. bei wenigen werden die Fähigkeiten festgestellt. Aber wenn das so ist, wird den Familien damit ein zusätzlicher Grund gegeben, dies zu zeigen und damit zu prahlen. Doch egal ob Fertigkeiten oder nicht, danach wird immer ein großes Fest gefeiert, natürlich wie hier üblich feiern die reicheren Familien unter sich. Keiner von diesen würde sich neben jemanden ohne Vermögen setzen, das ist ja nicht in der gleichen Schicht.

In Edgestone würden alle aus jeder Schichte gemeinsam feiern. Sie essen, singen, trinken und tanzen alle miteinander. Denn zusammen macht es mehr Spaß, da man durch die Freude der anderen auch animiert wird sich zu freuen. Immer habe ich mich auf die Feste gefreut in Edgestone, es war immer schön und hat auch richtig Spaß gemacht, es gab keine Vorurteile und alles war friedlich. Leid und Kummer konnte man dort vergessen, zumindest für eine gewisse Zeit.

Hier wurde ich nie mitgenommen, oder ich war zu jung um mich daran zu erinnern. Aber ich denke, ich war generell noch nie auf einem der Feste hier. Bei so etwas wollte man mich nie dabei haben, da ich ja der hinterhältige Dieb bin und unwürdig, mit ihnen zu feiern oder gar sie nur zu kennen.

Die geweihten Türme kommen immer näher und die Kutschen häufen sich. Mir ist so warm, mein Herz pocht so schnell wie ein Rennpferd auf der Wiese. Meine Hände sind kalt wie tief gefrorenes Wasser und ebenso feucht. Gleich haben wir sie erreicht, dann beginn die Prüfungen und ich werde Gewissheit haben, ob sich mein Leben gänzlich ändern wird.

So groß hatte ich die Türme nicht in Erinnerung, sie wirken einschüchternd und hoheitsvoll. Die Kutsche stoppt, der Kutscher steigt von seinem Platz, ich höre ihn poltern, nun höre ich den Kies unter ihm knirschen, die Klinke der Tür wird bewegt und sie öffnet sich, immer mehr Licht dringt in die Kutsche und wir steigen aus. Meine Beine sind so weich, aber sie geben mir nicht nach, ich stehe nur unsicher. Der Atem stockt mir vor Staunen. Die vier weißen Türme, die Türme der Magie, groß und mächtig, sie lassen einen klein wirken und schüchtern alles ein. Sie ragen zwischen den Gärten hervor, und hinter ihnen befinden sich die Gebäude der Magier. Dort leben einige von ihnen, ebenso wie die, die noch gelehrt werden.

Meyah, du musst in den Turm ganz rechts. Achte darauf, mit wem du sprichst und auf deren Stand!“ „Ja, Vater.“

Ich höre jeden einzelnen Stein unter mir, der Weg kommt mir so lange vor, dabei sind es nur wenige Pferdelängen. Nun, hier im Schatten des Turmes spürt man kaum die Sonne und der Wind bringt mich zum Frösteln. Nur noch durch das Tor, noch einmal Luft holen und der letzte Schritt...


Die Halle wirkt sehr groß und prunkvoll, in der Mitte sitzen drei Gestalten. Das werden wahrscheinlich die Prüfer sein. Hoffentlich finden sie nichts, hoffentlich.

Guten Tag, Meyah. Ich bin Meister Khaf und leite hier die Prüfungen in diesem Turm. Wir werden dir nun ein paar Fragen stellen und auch einige Rätsel und Aufgaben geben. Du musst nicht aufgeregt sein und ebenfalls nicht dich unfair behandelt fühlen, es sind bei jedem Prüfling dieselben.

Die Mitprüfer sind, Meisterin Namahieri und Großmeister Joshun.“ „Willkommen Meyah, es freut mich zu sehen, dass endlich auch wieder eure Familie an den Prüfungen teilnehmen kann, dein Vater wurde zur selben Zeit geprüft wie auch ich. Bereite deiner Familie alle Ehre.“ Großmeister Joshun steht auf und beginnt mit den Fragen: “Du bist nun 17 Winter alt und deine bisherige Schule ist wo?“, „Ich lebe in Edgestone und besuche dort auch eine Schule.“

Wurdest du jemals auf die Anwesenheit der Magie in dir getestet?“ „Nein, niemals mit meinem Wissen!“ „Welches ist dir das liebste Himmelsereignis?“ „Ich mag den Regen und den Tau, ebenfalls wie die Nacht. Ich finde sie sehr spannend und auch beruhigend. Ich weiß, dass einige es anders empfinden, dennoch beruhigen mich die Sterne und ich bewundere ihre Schönheit.“ Meisterin Namahieri nickt und schaut mich erstaunt an, anscheinend bin ich wirklich sehr selten mit dieser Meinung.

Meyah, was ist es, das den Menschen das Leben raubt? Sie erschrecken lässt, zittern und bibbern, aber sie auch glücklich macht und jedes Gefühl beinhaltet. Was ist es, dass jeder hat, aber davon nach dem Gefühl für einige viel zu wenig?“

Was ist es, welche Antwort will er nun von mir? Der Tod raubt Menschen das Leben. Sie zittern und erschrecken auch davor, aber er macht sie normalerweise nicht glücklich. Was hat jeder, über was beschweren sich viele, was sie im Besitz zu wenig haben? Oh Mann, wie lange hab ich eigentlich Zeit, die Frage zu beantworten?

Lange Zeit- ja Zeit. „Die Zeit raubt den Menschen das Leben, sie lässt sie zittern und bibbern, die Zeit macht mache glücklich zumindest für einen Moment. In der Zeit sind alle Gefühle möglich, und jeder hat sie, doch für einige geht sie viel zu schnell vorbei.“

Man wird davon geleitet, man wird in das Chaos gestürzt. Entscheidungen hängen davon ab. Manchen sieht man nicht an, dass sie es haben.“

Gefühle“

Die drei starren mich an, vielleicht hätte ich einfach den Mund halten sollen und ihn ausreden lassen. Aber wenn ich Glück habe ist die Prüfung schnell vorbei und ich kann nach Hause.

Meister Khaf steht auf und geht auf mich zu. „Lass mich schauen Kind“ Er setzt ein Fuß vor den anderen immer näher in meine Richtung, bis er direkt vor mir steht, hebt den Arm...

Seine Hand fühlt sich warm an meiner Stirn an und sie ist sehr weich. „Meyah, schließe deine Augen“, nach einigen Sekunden holt er Joshun zu sich, er nimmt sein Hand von meiner Stirn, und Joshun legt seine auf. „Es ist unfassbar, so was hätte ich nicht erwartet!“ „Großmeister Joshun, wie kann so etwas sein?“ „Ich weiß es nicht, Khaf, aber es ist sehr erstaunlich.“ Er nimmt seine Hand wieder von mir. „Danke Meyah, du kannst nun wieder nach draußen.“

Ein Stein fällt mir vom Herzen, endlich hab ich das hinter mir. Aber was meinten sie? Was hatten sie nicht erwartet? Vielleicht haben sie noch nie ein solch schlimmes Ergebnis und ich kann nach der Bekanntgabe sofort wieder nach Edgestone, das wäre natürlich äußerst positiv. Mein Vater unterhält sich mit anderen adligen Eltern. Da muss ich nicht unbedingt stören und kann mir den Garten hier anschauen. Hier ist alles Grün und überall wachsen Gräser und Blumen. Sogar einen wunderschöner Bonsai steht hier in der Mitte.

Und ein Durchgang, überdacht und abgeschottet durch Efeu und Reben. Auch wenn ich dieses Land nicht mag, man muss ihnen lassen, dass sie wunderschöne Gärten haben. Sie sind fantasievoll, laden ein zu träumen und ermöglichen einem ein gutes Versteckspiel.

Ich frage mich, wie sie wohl bei Regen aussehen, bestimmt auch wunderschön. Oder bei Nacht, am besten wenn die Gräser noch durften. Ich denke, dass ich dann eine lange Zeit hier draußen verweilen könnte und entspannen, es würde bestimmt auch jemanden zu einem schönen Gedicht inspirieren. Genau wie es mich nun inspiriert


Ich sehe glückliche Menschen überall,

dich ich kann es nicht sein.

Ich sehe Gefühle in jedem einzelnen,

doch in mir finde ich keine.

Ich sehe Blicke tief in die Seele,

doch meine sind leer.

 

Ich sehe die Empfindungen anderer,

doch ich fühle nichts.

Ich sehe alles voller Farben,

doch ich erkenne nur grau.


Nichts ist so wie es scheint.

Es ist trostlos und gleichgültig,

hat keinerlei Gefühl, nur leere

und das alles, ist in mir.

 

Das Gemurmel am Eingangstor wird groß, wie lange stand ich nun Gedankenversunken hier herum? Und warum werden die dort so laut? Mein Vater winkt mich zu ihm, vielleicht sind die Ergebnisse schon da. "Meyah, stell dich zu mir, die Ergebnisse werden gleich angesagt und etwas präsents solltest du auch Zeigen. Es geht hier immerhin nicht um irgendwas, sondern eine Ausbildung durch eine große Gabe und das ansehen der Familie. Joshun tritt aus dem Gebäude neben ihm sind Meister Khaf und Meisterin Namahieri, ihnen folgen weitere Magier. "Wir danken euch allen für eure Anteilnahme an den Prüfungen. Die Listen wurden so eben ausgegangen. Wir freuen uns alle auf ein paar neue sehr Talentierte Schüler und hoffen, dass sie die Traditionen wie es sich gehört weiter Fortsetzen werden. Nach drei Monden haben sich die Auserwählten hier wieder einzufinden um mit ihrer Ausbildung zu beginnen. Bitte seid dann darauf vorbereitet. Ihr benötigt Umhänge und Schreibmaterialien. Ihr werden verschiedenen Magiern zugewiesen, die euch zu beginn Leiten sollen und helfen, dass ihr eine Spezialisierung finden könnt um darin eure Studien zu intensivieren. Wir begrüßen euch Alle schon einmal im voraus und wünschen euch und euren Familien noch einen restlichen schönen Tag. Für Fragen stehen wir euch direkt im Anschluss zur Verfügung. Vielen Dank". Die Menge klatscht und alle drängen sich zu den Aushängen, mein Vater direkt ganz vorne dabei. Noch einmal tief durchatmen, hoffen und los geht es zu den Aushängen.

Mein Vater steht inzwischen schon irgendwo in der Menge, der Aushang wirkt wie leer gefegt. Auch hier gibt es zwei Aushänge, die der Leute mit hohem Stand und eben die zweite. Bei der ersteren stehe ich ganz oben. Angenommen.

Ich hatte das befürchtet, das darf einfach nicht sein. Dies ist nicht gut, sogar gefährlich. Aber da schaffe ich es nun nicht mehr heraus. Ein paar Schritte hinter mir ist eine Gruppe, sie freuen sich und es wirkt schon fast wie eine Feier, mein Vater mitten darin. Schön wenn es einen aus der Familie Glücklich macht. Drei Mädchen laufen an mir vorbei und ihr Gesprächsthema lässt mich schaudern. "Es war doch selbstverständlich, dass wir angenommen worden sind. Immerhin befinden sich in unseren Familien doch die vermögendsten Magier. Allerdings sollten sie dringen ein Verbot aussprechen für diese dreckigen Tellerwäscher dort hinten, bestimmt haben sie Läuse und anderes Ungeziefer. Ich habe mir ja schon Umhänge angeschaut, die aktuellen Modefarben stehen mir besonders gut. Mein Vater lässt mich alles aussuchen und ich bekomme direkt mehrere, dann habe ich für jeden Tag einen anderen Umhang." Wenn so alle Menschen meines Standes hier sind, wird das wirklich sehr Oberflächlich. Entweder man bleibt alleine, tut sich diese Leute an oder freundet sich mit denen an, die an sich rein vom Stand aus gesehen nicht würdig wären und bekommt dazu noch tadelnde Blicke der anderen hohen Familien.