Es regnet. Der Himmel weint und lässt seiner Trauer einen melodischem Lauf. Ich liebe diesen Klang der Tropfen, ebenso wie den Geruch von Tau und den Duft, kurz bevor der Himmel anfängt seiner Trauer freien Lauf zu lassen und sich über uns ergießt. Es stürmt, donnert, und die Nacht wird erhellt durch grelle Blitze am Horizont. Auch dieses liebe ich. Ich liebe es, in der Nacht am Fenster zu sitzen, dem Klang des Regens zu lauschen und zu sehen, wie die Blitze auf die Erde schlagen. Es beruhigt mich und ich finde, es wirkt, als weine der Regen um mich oder auch mit mir. Ich bin übrigens Meyah. Viele denken, ich wäre ein Glückspilz, doch sie sind unwissend, denn mein Leben ist ein Trauerspiel. Am besten erkläre ich grob was bisher geschah: Vor 17 Wintern wurde ich zu Welt gebracht in einer der reichsten Adelsfamilien in ganz Beckhum. Ich bin das dritte und letzte Kind meiner Mutter, denn ich brachte ihr bei meiner Geburt den Tod. Meine zwei Schwestern sehen mich als lausigen Dieb ihrer Mutter, ich nahm sie ihnen und darum gebührt mir deren Hass. Immer wurde und wird mir gesagt, dass der Himmel an diesem Tag weinte, mehr als jemals, wegen des Verlustes einer tollen Frau. Er warf erzürnt über mich Blitze auf die Erde nieder und ließ sie durch ihr Donnern erbeben. Mein Vater sagte nie, dass er mir die Schuld an dem Tod seiner Frau gab oder auch gibt, dennoch fühle ich, dass er genau das tut. Wenn er mich sieht oder ich etwas Tolles mache, bringt er nie ein Lächeln zu Stande, meist werde ich ignoriert. Er hasst mich nicht, aber lieben kann er mich nicht. Eine neue Frau kehrte an seiner Seite und in unsere Familie ein und gebar ebenfalls drei Kinder. Meine zwei Schwestern vergöttern ihre neue Mutter und sie lieben ihre neuen Geschwister. Alles wirkt wie eine glückliche Familie., doch es gibt etwas, das auf dieses Glück einen Schatten wirft und nicht akzeptiert werden kann. Dieser Schatten bin ich. Daher wurde ich mit einem Alter von fünf Wintern auf eine Schule geschickt, weit weg von zu Hause, damit ich nicht noch mehr Unglück über diese Familie bringen kann. Die Festtage und Ferienzeiten verbringe ich ebenfalls in meiner Schule, da ich bei meiner Familie unerwünscht bin. Die Unwissenden sehen mein Leben als ein Glücksfall, denn sie sehen es aus einem anderen Blickwinkel. Ich wurde auf eine Schule geschickt weit entfernt und dies ist nicht günstig, Ich bin adlig und meine Familie ist eine der wichtigsten in ganz Beckhum. Nicht jede Familie kann es sich leisten eines ihrer Kinder auf eine Schule in einem anderen Land zu schicken und sie dort leben lassen. Die anderen aus Beckhum denken dies sei Glück, und ich habe eben genau dieses, dabei wissen sie nicht, warum ich so weit weg wohne. In Beckhum werden Leute nach ihrem Reichtum eingeschätzt, es ist fast eine Art Trennung. Ich finde es falsch, Menschen anhand ihres Reichtums einzuschätzen und nicht an ihrer Person selbst. Wer wenig Geld hat ist es hier nicht wert, angehört zu werden und Beachtung bekommen sie auch nicht. Aber Reiche und Adlige, sind nach Meinung der Bevölkerung hier, mehr wert und wichtiger, egal was für ein eigentlich schlimmer Mensch das doch ist, er ist reich und reich bedeutet gut. An meiner Schule und in dem Land ist es ganz anders. In Edgestone, wird man Wert geschätzt anhand seiner Person und seinem Können. Jeder verhält sich höflich dem anderen gegenüber und verurteilt ihn nicht als schlechten Menschen anhand seines Wohlstandes. Die Länder liegen aneinander und doch sind sie so weit voneinander entfernt wie Welten. Die Sprache ist gleich, dennoch gegenseitig irgendwie unverständlich. Ich war noch nie an einer Schule in Beckhum. Dennoch weiß ich, dass dort die Schüler getrennt werden, anhand ihrer Herkunft und man wird verachtet von anderen, die trotz der anderen Herkunft sich mit jemandem anfreundet oder es gar nur versucht. Dafür sind die Wohlhabenden zu eingebildet und naiv. In Briefwechsel mit meiner Familie lese ich dies auch immer raus. Sie würden es nicht verstehen, wie man hier die Leute sieht, anhand ihrer Fähigkeiten und der Persönlichkeit. Wenn sie nach meiner Schule fragen, gebe ich immer kurze allgemeine Antworten. Es steht wirklich viel geschrieben, doch es sagt nichts aus. Auch wenn es meine Familie ist sind mir diese Menschen fremd und ich ihnen verhasst. Wenn ich ihnen von dem Leben hier und der Schule erzählen würde, sie würden es nicht verstehen, den es liegen Welten zwischen den Ländern und Schulen, außerdem müsste ich sie dann töten. Sonst gibt es nicht viel über meine Vergangenheit zu erzählen, ich schreibe Gedichte, liebe den Regen und denke wohl anders alles die Meisten. Zu Beginn habe ich immer eine neutrale Einstellung die ich auch oft behalte, von Gefühlen lasse ich mich nicht leiten, den sie leiten fehl und Wissen ist Macht. Es hat ganz schön viele Vorteile, einen kühlen Kopf zu wahren und über Kommentaren zu stehen. Kritik von anderen regt zur Selbstkritik an und nur diese ist ein Schritt näher zur Perfektion. Es wird ja immer nach Perfektion gestrebt, aber Perfektion sehe ich darin, Fehler zu haben und sich diese einzugestehen. Man kann alles von zwei Seiten betrachten. Gefühlskälte, ich sehe sie als positiv an, man lässt sich nicht fehlleiten und hat einen besseren Überblick von Geschehnissen und bessere Kontrolle über sich selbst. Andere sehen das als negativ, Gefühlskälte anderen Menschen gegenüber ist unfreundlich und kann Kontakte zerstören, verletzen anderer Gefühle und man kann nie richtig auf jemanden eingehen. Das ist übrigens auch eine meiner Eigenschaften: Ich denke viel, am liebsten am Fenster bei verregneter Nacht. Ich denke viel und kompliziert, unverständlich für andere, aber hilfreich im eigenen Leben.